Am Anfang war der Gurt im Städtischen Museum Braunschweig: Ausstellung über koloniale Sammlungen


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Am Anfang war der Gurt: Eine Ausstellung über Herkunft, Sammlung und koloniales Erbe
Im Städtischen Museum Braunschweig öffnet eine Dauerausstellung, die weit über die klassische Museumspräsentation hinausgeht. Am Anfang war der Gurt führt mitten hinein in Fragen der Provenienz, der Kolonialgeschichte und der kritischen Kuratierung ethnologischer Sammlungen.
Ein Kunsterlebnis zwischen Objekt, Kontext und Verantwortung
Die Ausstellung macht sichtbar, wie Museen heute mit Beständen aus kolonialen Kontexten umgehen. Ausgangspunkt ist die Suche nach dem Patronengurt des OvaMbanderu-Anführers Kahimemua aus dem heutigen Namibia, ein Objekt, das in der Sammlungsgeschichte des Hauses zum Symbol einer intensiven Aufarbeitung wurde. Daraus entsteht ein Ausstellungsraum, der nicht statisch wirkt, sondern als offenes, dynamisches Ensemble erfahrbar bleibt.
Fünf Themenräume, viele Perspektiven
Die Präsentation entfaltet ihre Stärke in fünf Themenräumen: Vernetzt, Reiseandenken, Fremdbilder, Kolonialerbe und Weitergedacht. Jede Station eröffnet eine neue Lesart der ethnographischen Objekte. Braunschweiger Seefahrer, Kaufleute, Ärzte, Soldaten, Forscher, frühe Touristen und Auswanderer erscheinen als historische Akteure eines Sammelns, das kulturelle Fantasien, Machtverhältnisse und Wissensordnungen zugleich sichtbar macht.
Objekte als Zeugnisse einer umkämpften Geschichte
Zu den hervorgehobenen Stücken zählen ein hanseatisches Schiffsmodell, eine Ritualtrommel als Souvenir eines Braunschweiger Soldaten aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg sowie ein afroportugiesisches Salzgefäß aus der herzoglichen Kunstkammer. Diese Werke und Dinge wirken nicht nur als Exponate, sondern als historische Dokumente. In ihrer Materialität, ihrer Herkunft und ihrer Umdeutung entsteht eine eindrucksvolle ästhetische Erfahrung, die Kunstgeschichte, Museumspädagogik und Erinnerungskultur miteinander verknüpft.
Provenienzforschung als kulturelle Bildung
Besonders überzeugend ist die Haltung des Hauses: Die Ausstellung versteht sich als Prozess, nicht als fertige Erzählung. Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften fließen fortlaufend ein und prägen die Deutung der Sammlung. Damit wird das Museum zum Ort der Reflexion über Sammeln, Repräsentation und Verantwortung. Für kunst- und kulturinteressierte Besucher eröffnet sich hier ein Lehrstück der zeitgenössischen Museumsarbeit.
Warum sich der Besuch lohnt
Wer diese Ausstellung besucht, erlebt keine bloße Objektpräsentation, sondern eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der Frage, wie Geschichte erzählt wird. Am Anfang war der Gurt verbindet wissenschaftliche Genauigkeit mit einer klaren ästhetischen Sprache und macht koloniale Sammlungen in ihrer historischen Tiefendimension erfahrbar. Ein Besuch im Städtischen Museum Braunschweig lohnt sich unbedingt für alle, die Kunst, Kulturgeschichte und kritische Provenienzforschung live erleben möchten.
Offizielle Kanäle von Städtisches Museum Braunschweig:
- Instagram: https://www.instagram.com/staedtischesmuseumbraunschweig/
- Facebook: Kein offizielles Profil gefunden
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- Website: https://www.braunschweig.de/kultur/museen/staedtisches-museum/










